Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz
Wir berichten über den erstmaligen Nachweis eines zur Gruppe 16SrI gehörenden ‘Candidatus Phytoplasma’, das mit Wuchsdepressionen in Weizen und Gerste in Deutschland assoziiert ist. Phytoplasmen sind obligat intrazelluläre Bakterien, die das Phloem von Pflanzen besiedeln und weltweit eine erhebliche Bedrohung für landwirtschaftliche Kulturen darstellen. Ihre Verbreitung und Epidemiologie hängen von der Übertragung durch phloemsaugende Insektenvektoren ab. In Getreide führen Phytoplasma-Infektionen typischerweise zu Symptomen wie Blattvergilbung, Zwergwuchs/Besenwuchs und einer reduzierten Ährenentwicklung.Das Vorkommen von Phytoplasmen in deutschen Getreidebeständen wurde mittels Nested-PCR auf das 16S-rRNA-Gen bestätigt. Die Sequenzierung der amplifizierten Fragmente ergab eine 100%ige Sequenzidentität mit ‘Candidatus Phytoplasma tritici’, dem Erreger der Wheat-Blue-Dwarf-Krankheit, der bislang aus China beschrieben wurde. Als Vektorart wurde bisher in Deutschland die Zikade Psammotettix alienus identifiziert.Da derzeit keine Daten zur räumlichen Verbreitung und Prävalenz von Phytoplasmen in Getreide in Deutschland vorliegen, wird die Etablierung eines systematischen Monitorings dringend empfohlen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, insbesondere eine Vollgenomsequenzierung zur eindeutigen Identifizierung der Phytoplasma-Spezies sowie die Entwicklung verbesserter diagnostischer Nachweismethoden. Darüber hinaus ist, da Phytoplasma-Infektionen Infektionsversuche mit dem Wheat Dwarf Virus (WDV) beeinflussen können, der Aufbau einer phytoplasmafreien Psammotettix alienus-Zucht am JKI essenziell, um zuverlässige und effiziente Infektionsstudien in Getreide mit sowohl WDV als auch Phytoplasmen zukünftig durchführen zu können.
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat