Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
Hintergrund Das Grünland in Deutschland stellt seit jeher die wichtigste Futtergrundlage für Wiederkäuer dar und erbringt zentrale Ökosystemleistungen wie Filterfunktion, Klimaregulation durch Kohlenstoffspeicherung, Biodiversitätserhalt und kulturelle Werte. In den vergangenen Jahrzehnten führte eine Intensivierung der Bewirtschaftung zwar zu einer Steigerung der Futterqualität, jedoch auch zu einem deutlichen Rückgang der Artenvielfalt. Gleichzeitig sind viele Regionen mit gegensätzlichen Entwicklungen konfrontiert: In Gunstlagen wird intensiv und homogen genutzt, während in weniger ertragreichen Gebieten Nutzungsaufgabe und Verbuschung drohen. Klimawandel, veränderte Niederschlagsmuster und steigende Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz verschärfen die Situation. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, standort- und klimaangepasste Bewirtschaftungssysteme zu entwickeln, die ökonomische Tragfähigkeit und ökologische Ziele vereinen.Projektziele Ziel des Modell- und Demonstrationsvorhabens MuD Grünland ist es, die Nutzung und den langfristigen Erhalt des Dauergrünlands zu sichern. Der Beitrag des Grünlands zu Ernährungssicherung, Biodiversität und Klimaschutz soll unter Minimierung von Zielkonflikten optimiert werden. Es soll gezeigt werden, dass eine abgestufte Grünlandbewirtschaftung, also eine betriebsindividuelle Kombination unterschiedlicher Nutzungsintensitäten und Nutzungsformen, praxistauglich umgesetzt werden kann. Betrieben sollen Wege aufgezeigt werden, wie sich zentrale Ökosystemleistungen mit der wirtschaftlichen Produktion hochwertigen Grundfutters verbinden lassen. Ziel ist es, klimaangepasste Bestände zu etablieren, die auch unter Trockenstress stabile Erträge und hohe Futterqualitäten liefern.Herangehensweise Das Projekt wird in sechs Teilregionen durchgeführt, die unterschiedliche Standortbedingungen, Bewirtschaftungsstrukturen und Herausforderungen abbilden. In jeder Teilregion werden fünf bis sechs Demonstrationsbetriebe einbezogen, die entweder bereits Erfahrungen mit abgestufter Grünlandnutzung haben oder diese neu einführen. Die Auswahl erfolgt so, dass die Betriebe repräsentativ für die regionale Praxis sind, bereitwillig Daten teilen, an Erhebungen mitwirken und Maßnahmen öffentlich vorstellen.Nach einer Analyse der betrieblichen Ausgangssituation und der Flächenpotenziale werden gemeinsam standortangepasste Konzepte entwickelt. Mögliche Maßnahmen sind differenzierte Schnittzeitpunkte, Reduktion von Düngung, Teilextensivierung, verbessertes Weidemanagement, Nachsaaten mit klimaresilienten Gräsern, Kräutern oder Kleearten sowie die Aufwertung von Randstrukturen. Auch die Diversifizierung der Verwertung von Extensivaufwüchsen, etwa für verschiedene Tierarten, als Einstreu oder zur Kompostierung, wird berücksichtigt.Die Wirksamkeit wird durch Ertrags- und Qualitätsmessungen, botanische Aufnahmen, betriebswirtschaftliche Analysen und Klimaschutzbewertungen erfasst. Wo möglich, werden Paare von Betrieben mit unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität vergleichend untersucht.Wissenstransfer Die Hauptkoordination des Projektes liegt bei der Stabsstelle Grünland des Julius Kühn-Instituts. Der Wissenstransfer ist integraler Bestandteil des Vorhabens und wird systematisch auf regionaler und überregionaler Ebene umgesetzt. Es findet jährlich ein Grünlandtag statt, der als zentrale Austauschplattform für Praxis, Beratung, Wissenschaft und Verwaltung dient. Zusätzlich führt jeder Demonstrationsbetrieb jährlich mindestens eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung wie Hoftage, Betriebsführungen, Workshops oder Maschinenvorführungen durch.Neben Präsenzformaten werden digitale Medien gezielt eingesetzt, um die Reichweite zu erhöhen. Dazu gehören kurze Erklärvideos, Webinare, Online-Vorträge und praxisorientierte Fachartikel auf den Webseiten der beteiligten Institutionen. Alle Partner richten auf ihren Internetseiten einen einheitlich strukturierten Projektbereich ein, um Inhalte abgestimmt und leicht zugänglich bereitzustellen. Bestehende Beratungs- und Kommunikationskanäle werden genutzt, um Ergebnisse schnell in die Praxis zu bringen.Die Projektergebnisse werden in Fachzeitschriften, Newslettern und auf Fachtagungen wie AGGF, DLG und VLK präsentiert. Regionsübergreifende Veranstaltungen werden gemeinsam beworben, um Synergien zu schaffen. Ein regelmäßiger Austausch mit Fachschulen stellt sicher, dass aktuelle Erkenntnisse in die Aus- und Weiterbildung integriert werden. Betriebsbezogene Auswertungen werden den Demonstrationsbetrieben zeitnah übergeben, erläutert und gemeinsam diskutiert, um eine praxisnahe Anpassung der Bewirtschaftung zu fördern.Mit dieser Kombination aus praxisnaher Umsetzung, wissenschaftlicher Begleitung und mehrstufigem Wissenstransfer werden ökologische und ökonomische Anforderungen in der Grünlandbewirtschaftung besser miteinander in Einklang gebracht und die vielfältigen Leistungen des Dauergrünlands langfristig gesichert.
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat